Pfälzer Musikanten mit Fans als Botschafter der Pfalz in Amerika

Nach gut eineinhalbjähriger Vorbereitungszeit  traten wir am 02. September 1999 endlich unsere USA-Ostküsten-Rundreise  an. Wir, das waren die 7 Musikerinnen und Musiker der Kapelle "K. u. K. und die Pfälzer Musikanten" sowie 32 Musik- bzw. Amerika-Begeisterte,die bei unserer ersten USA-Tournee dabeisein wollten.

Mit dem Bus, der uns teilweise direkt vor der Haustür abholte, ging es früh am Morgen zunächst nach Luxemburg. Da der Flughafen dort relativ klein und überschaubar ist, kam uns sehr zu Gute, hatten wir doch alleine ca. 750 kg Ausrüstung der Kapelle, bestehend aus 27 Einzelteilen, neben dem üblichen Reisegepäck zu befördern.

Der Flug von Luxemburg nach New York zum dortigen  Flughafen Newark verlief dank der umfangreichen festen und flüssigen Verpflegung von Luxair sprichwört- lich wie im Fluge.

Nach knapp acht Stunden Flugzeit erwarteten uns am New Yorker Flughafen die üblichen Formalitäten der US-Einwanderungsbehörde,  die einzelnen Mitreisen- den von uns schwer zu schaffen machten und zu einigen  Verzögerungen führten. Dafür ging es aber dann am Zoll mit  unseren Instrumenten um so reibungsloser, was wir, wie vieles auf dieser Konzertreise, unserem USA-erfahrenen Reiseleiter Peter-Jochen Degen von MARTHA-Reisen zu verdanken hatten.

Endlich gelangten wir zu unserem schon bereitstehenden Bus, und nachdem in der Mittagshitze alles verladen war, stand uns die Weiterfahrt in die Appalachen nach Altoona bevor. Hier mussten wir zum ersten Mal erkennnen, dass sich die uns vertrauten Dimensionen keineswegs auf die USA übertragen lassen, denn die Fahrt dauerte, einschliesslich der ersten Begegnung mit Mc Donalds, bis in den späten Abend hinein.

Umso mehr freuten wir uns über die Begrüssung  in unserem Hotel durch die Mitglieder des dortigen Deutschen Clubs "Unter uns" , Peter und Joe, die auch mit dem heiss ersehnten Bier aufwarten  konnten.

Am nächsten Morgen machten wir Bekanntschaft mit einem typisch amerikanischen Frühstück außerhalb des Hotels, was zunächst wegen einigen Verständigungsproblemen zu Verblüffungen führte, aber dennoch sehr interessant und im nachhinein für alle recht lustig war.

Am Nachmittag führte uns eine Rundfahrt durch die Stadt und anschliessend zur "Horse Shoe Curve", eine Meisterleistung von irischen Eisenbahnern. Diese Kurve wurde Mitte des 18. Jahrhunderts zur Überwindung der Höhenlagen der Appalachen errichtet und wird noch heute von Zügen stark befahren. Hier merkten wir auch, dass die Amerikaner sehr wenig laufen und ein wenig verspielt sind, denn für eine Strecke von 50 Meter haben sie für die Besucher dieses Bauwerks extra eine Seilbahn gebaut.

Nach der Besichtigung ging es zum Deutschen Club,  wo wir nach einem eigens für die Pfälzer Reisegruppe arrangierten Abendessen mit Hausmannskost nach Deutscher Art unseren ersten Auftritt hatten. Wir mussten feststellen, dass die Amerikaner mit Musik auch immer den Tanz verbinden, was bei uns in Deutsch- land heutzutage keineswegs selbstverständlich ist. Während des Abends kam man mit vielen deutschen Auswanderern ins Gespräch, die alle vor etlichen Jahren, jeder aus ganz unterschiedlichen Gründen, in Amerika ihr Glück suchten und scheinbar auch fanden.

Am nächsten Tag fuhren wir sehr früh weiter zur nächsten Station unserer Reise , nach Philadelphia. Hier fand an diesem Wochenende und dem "Labour Day" am darauffolgenden Montag das Cannstadter Volksfest des gleichnamigen Vereins statt. Mitten in Philadelphia verfügt dieser Club, der über 1200 Mitglieder zählt, über ein riesiges Gelände, auf dem sich auch ein Restaurant mit einem grossen Ballsaal befindet. In diesem spielten wir abends vor vollem Haus zum Tanz auf. Doch zuvor hieß es für die Musiker in der schwülen Mittagshitze schwitzen, denn im Freien warteten einige hundert Gäste auf die Eröffnung des Festes durch die Pfälzer Musikanten.

Die Verköstigung auf diesem Fest war wieder  großartig und wir hatten auch hier die Möglichkeit, mit Deutschen, Deutsch-Amerikanern bzw. Amerikanern ins Gespräch zu kommen, und jeder wollte wissen, wo wir denn genau herkommen und was der 1. FC Kaiserslautern macht. Musikalisch lernten wir an diesen drei Tagen auf dem Cannstädter Volksfest das Polizeimusikkorps Karlsruhe kennen, die mit uns im Wechsel für die Gäste aufspielten und auch die offizielle Eröffnung (mit deutscher und amerikanischer Nationalhymne) übernahmen. Am Ende dieses Festes warteten die Direktoren des Vereins mit Lob, Anerkennung und Geschenken für die Musiker sowie mit einem Abschiedsempfang für die gesamte Reisegruppe auf.

Bevor wir dann am nächsten Tag Philadelphia  verließen, besuchten wir dort noch die "Liberty Bell" und die "Independence  Hall", wo 1776 die Unabhängigkeit Amerikas erklärt wurde. Ein nicht allzuschöner Anblick waren die herunterge- kommenen Gebäude im einst so stolzen Stadtteil "German Town", der nach Wegzug der Deutschen an seiner Schönheit verloren hat und heute eine nicht so glückliche Verbindung zu den "Germans" herstellt.

Es standen nun einige Tage Ruhe und Erholung auf dem Programm. Unser nächstes Hotel war im ländlichen Lancaster,  der Partnerstadt von Kaiserslautern, gelegen, also mitten im Zentrum deutscher  Auswanderer in Pennsylvanien. Neben den zahlreichen Geschäften rund um das familiäre Hotel, in denen jeder seinen Kaufrausch ausleben konnte, war auch der hauseigene Pool fest in Pfälzer Hand. Ein interessanter  Höhepunkt in Lancaster war der Besuch der Amisch People.

Diese Bevölkerungsgruppe Pennsylvaniens lebt heute noch wie vor 200 Jahren überwiegend von Handarbeit und Landwirtschaft  und verzichtet auf elektrischen Strom ebenso wie auf Autos. Wir hatten das Glück, uns dort mit einer Amish Frau zu unterhalten und wir waren sehr gerührt, als wir uns mit ihr im sogenannten "Pensylvanien-Dutch", eine Mischung aus pfälzisch und amerikanisch, unterhalten konnten. Am Mittag erwartet uns ein "Family-Style-Dinner", das typisch für diese Landschaft ist, bei dem wir jedoch aufgrund der Menge leider kapitulieren mussten.

Von Lancaster aus machten wir auch eine Tagesfahrt nach Washington D.C., wo wir nach einem Besuch des Luft- und Raumfahrtmuseums  von unserer Stadtführerin, Frau Schmidt, die Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt gezeigt bekamen. Das Capitol, der Nationalfriedhof Arlington mit dem Grab von J.F. Kennedy und seiner Familie, das  Vietnam-Denkmal mit den Namen der über 58.000 gefallenen amerikansichen Soldaten, sowie das Weiße Haus waren einige Stationen  an diesem Tag und Frau Schmidt wusste zu allem eine persönliche bzw. humorvolle Anekdote hinzuzufügen.

Am kommenden Freitag stand neben den üblichen  Einkaufstouren und dem Relaxen am Pool ein Auftritt der Kapelle in der Universitätsstadt Reading auf dem Waldfestplatz des dortigen Deutschen Clubs "Liederkranz" auf dem Programm. Die Verköstigung dort war wie gewohnt gut und nach dem Auftritt war Stimmung mit der gesamten Reisegruppe und den Gastgebern an der Bar angesagt. Auch hier wurden wieder zahlreiche persönliche Kontakte zu deutschen Auswanderern geknüpft, die dringend die Neuigkeiten aus ihrer alten Heimat erfahren wollten. Der Abschied von dort fiel allen sehr schwer und so musste die Abfahrt ins Hotel an diesem Abend mehrmals verschoben werden

Am nächsten Tag ging es zurück nach Philadelphia. Dort war schon unser nächster Auftritt, ein Tanzabend, bei der Vereinigung "Erzgebirge" angesagt, wo wir auch unsere Freunde vom Polizeimusikkorps  Karlsruhe als Gäste begrüssen konnten. Auf dieser Station unserer Reise hatten wir auch erstmals die Gelegenheit, uns für die Weiterfahrt mit anderen Getränken als nur mit Cola, was uns mittlerweile schon bis zum Hals stand, einzudecken, denn Alkohol ist in den USA nur in bestimmten Geschäften erhältlich und darf auf keinen Fall in der Öffentlichkeit verzehrt werden.

Die Weiterfahrt nach Albany, der Hauptstadt des Bundesstaates New York, am Sonntag verlief reibungslos und beim Gastspiel im Schützenpark des dortigen Deutschen Clubs trafen wir Auswanderer aus Iggelbach, die sich über den Besuch der Pfälzer so freuten, dass sie einige von uns spontan zu einer Stadtrundfahrt und zu sich nach Hause "entführten".

Im Club nahmen wir am nächsten Morgen auch unser gemeinsames Frühstück ein und nach einem kurzen Halt im Zentrum Albanys, das auf gekonnte Weise alte und moderne Architektur verbindet, fuhren wir weiter in den Norden, nach Rochester. Von hier aus traten wir am kommenden Tag unseren Besuch bei den Niagara Fällen  an. Da wir auch auf die kanadische Seite wollten, machten wir zwangsläufig Bekanntschaft mit den Verhältnissen an der US-kanadischen Grenze, die stark an die Grenze zum ehemaligen Ostblock erinnerte.

Nachdem wir die gigantischen kanadischen Niagara Fälle, nach ihrer Hufeisen-Form "Horse Shoe Falls" genannt, von oben,  von unten und von innen besichtigt hatten, ging es weiter zum Weingut Reif,  wo uns eine Führung durch die Kellerei mit anschliessender Weinprobe  erwartete. Die Inhaber dieses Weingutes, die aus Lachen-Speyerdorf  stammen, verfügen über einen Weinberg soweit das Auge reicht und auf dem ein Gewürztraminer und Riesling aus Deutschland ebenso angebaut werden wie der Chardonnay aus Frankreich. Wir konnten erfahren, dass die Vorschriften für den Weinbau in Kanada ähnlich streng sind wie in Deutschland, aber dennoch die Erprobung neuer Anbauverfahren in Kanada besser möglich ist als bei uns. Auch hier wurde von den Mitreisenden wieder etwas in der Vergangenheit gegraben und festgestellt, dass man sich teilweise von Zeiten in Deutschland noch kennt. Einige deckten sich anschliessend im Laden mit dem berühmten "Icevine" oder "Zinfandel" ein.

Die kommenden zwei Tage standen ganz im Zeichen des Oktoberfestes in Irondequit, einen agilen Stadtteil Rochesters, der direkt am Ontario-See liegt. Die Pfälzer Musikanten eröffneten das Fest am Mittwoch abend mit der deutschen und amerikanischen Nationalhymne. Auch der deutsche Meisterjodler Richard Brandl, sowie Trachengruppen aus Norddeutschland und Rochester waren vertreten, und somit waren Abwechslung, Stimmung und gute Laune für die zwei Abende garantiert.

Am Freitag ging es dann sehr früh wieder in den Süden, nämlich nach Newark im Staat Delaware, wo das dortige Oktoberfest das letzte musikalische Ziel unserer Rundreise war. Auch dieses Fest wurde mit den beiden Hymnen durch die Pfälzer Musikanten eröffnet  und der eigens mit seinem Troß angereiste Gouverneur dieses Bundesstaates  begrüsste in seiner Ansprache die Gäste dieses grössten  Festes der Ostküste. Innerhalb von 3 Tagen konnten 18.000 Besucher gezählt werden. Auch an den beiden folgenden Tagen spielten wir am Nachmittag bzw. am Abend zur Unterhaltung und zum Tanz auf. Die Reisegruppe war immer wieder verblüfft und zugleich verwundert, wie attraktiv der "Chicken-Dance", der hierzulande als "Ententanz" höchstens noch in der Fasnachtszeit gespielt wird, für die Amerikaner aller Altersgruppen ist, die Tanzfläche war jedesmal nicht gross genug. Die Kapelle nutzte diesen letzten Auftritt auch, um den jüngsten und die älteste Teilnehmerin der Reise mit Erinnerungsgeschenken zu bedenken, bevor die Ausrüstung flugfertig verpackt wurde und wir uns von den Gastgebern wie üblich verabschiedeten. Auch die Musiker waren nach ihrem letzten Auftritt über die grossartige Zeit miteinander und den musikalischen Erfolg auf dieser Tournee sichtlich gerührt.

Am vorletzten Tag unserer Reise ging es endlich nach New York, einer Stadt, in der man jegliches Gefühl für Höhe, Größe und Dollars verliert. Mitdem Bus führte uns die agile Reiseleiterin Gerda Whitney vorbei am Central Park und dem Broadway nach Chinatown und SoHo. Zu Fuss erkundeten wir den Trump Tower mit seinem sechsstöckigen Wasserfall und das Rockefeller Center, ebenso das Financial Center und die Gold- und Silberbörse, wo wir die Hektik dieser Stadt besonders gut erleben konnten. Frau Whitney wollte uns in unserer natürlich viel zu kurzen Zeit soviel als möglich von New York zeigen, und so hatten manche Reiseteilnemer mit dem von ihr vorgelegten Tempo etwas zu kämpfen. Der Abschluss dieses Tages führte natürlich auf die Aussichtsplattform des Empire State Building. Jeder Versuch, die Aussicht aus dieser Höhe zu beschreiben, würde fehlschlagen, man muss es einfach einmal erlebt haben.

Am Dienstag, dem 21.09. mussten wir leider die Heimreise antreten. Wir verabschiedeten uns noch kurz von der Freiheitsstatue und am Nachmittag hoben wir vom Flughafen New York / Newark ab Richtung Luxemburg. Wir waren froh, als wir alle gesund und erholt wieder zu Hause waren und die Ausrüstung der Kapelle unbeschädigt, wenn auch mit etwas Verzögerung, in Luxemburg vom Band lief.

Zum Abschluss möchten wir es nicht versäumen, allen Teilnehmern der Reise für eine schöne und harmonische Konzertreise zu danken und auch für die Hilfe beim Auf- und Abbau der Band Danke zu sagen. Auch unserem Organisator und Reiseleiter Peter-Jochen Degen und seiner Frau Martha sei für die gute Auswahl der Hotels und die Insider-Kenntnisse vor Ort, die für uns sehr wichtig und hilfreich waren, sehr herzlich gedankt, denn ohne sie wäre eine solche Tour nicht möglich gewesen.

K .u. K. und die Pfälzer Musikanten

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